Herz vor Kopf

ein dokumentarisches Roadmovie (in Entwicklung)

Produktion, Regie: Yvonne Lachmann, Nora Mazurek

Kamera: Nora Mazurek

Ton: Yvonne Lachmann

in Zusammenarbeit mit dem inklusiven Ensemble des Reutlinger Theaters „Die Tonne“

Projektbeschreibung

In Reutlingen gibt es ein kleines, außergewöhnliches Theater mit dem Namen „Die Tonne“. Seit 2005 arbeitet der Intendant Enrico Urbanek dort mit Menschen mit Beeinträchtigungen zusammen. Das inklusive Ensemble besteht aktuell aus 12 Mitgliedern. Die Gruppe entwickelt jedes Jahr ein Stück. Bei ihrer neuen Arbeit beschäftigen sie sich mit der deutschen nationalsozialistischen Vergangenheit. Denn nur 35 Kilometer von Reutlingen entfernt, mitten auf der schwäbischen Alb, liegt Schloss Grafeneck. 1940 wurden hier innerhalb eines Jahres 10.654 Menschen, die im Nationalsozialismus unter den Begriff „lebensunwert“ fielen, in einer Gaskammer ermordet. Dabei wurde an der gesellschaftlichen Gruppe der Beeinträchtigten und der psychisch Kranken industrielles Töten exemplarisch erprobt und später im großen Ausmaß während des Holocausts angewendet. Bei der Beschäftigung mit den Geschehnissen auf Schloss Grafeneck geht es Enrico Urbanek und seiner Truppe darum zu hinterfragen, wie es passieren konnte, dass die Ermordung von Menschen mit Beeinträchtigungen gesellschaftlich mitgetragen wurde, und welche Relevanz und Aktualität die Geschehnisse von damals heute haben. Mit dem entstehenden Straßentheaterstück werden sie auf die Reise gehen. In insgesamt 25 Orten in Baden-Württemberg, aus denen damals Menschen in grauen Bussen abtransportiert wurden, soll gespielt werden. In Anlehnung daran wird in einem grauen Bus getourt. Das Ziel dabei ist, Begegnungen zwischen den Menschen, die heute an diesen Orten leben, und dem Ensemble zu schaffen. Der Film wird die Protagonist•innen sowohl bei der Entstehung der Arbeit begleiten, als auch einen Blick in ihre unterschiedlichen Leben und Ansichten geben: was tun sie, was bewegt sie, welche Hindernisse sind zu überwinden.

Die Vergangenheit wird aus Sicht der Beeinträchtigten erzählt, das heißt von Menschen, die damals selbst getötet worden wären und heute, aufgrund der pränatalen Diagnostik, oftmals erst gar nicht geboren werden.